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Antrag auf dem Kilimanjaro
Noch ein paar Stunden und dann ging es endlich los. Wir waren nach 5 Tagen, 45 Kilometern und ca. 33 Stunden Laufzeit endlich im Base Camp angekommen. Um Mitternacht sollte endlich der Aufstieg auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimanjaro, starten. Wir waren nervös. Unsere Kräfte hatten durch die letzten anstrengenden Tage schon etwas gelitten.
Wir waren überwältigt von der wunderschönen Landschaft, unserem afrikanischen Team und dem Gefühl ganz bald auf dem Dach der Welt zu stehen. Monatelang haben wir auf diesen Moment hin gefiebert und nun sollte es also bald soweit sein. Dazu kam, dass der Schlaf im Schlafsack und auf einer dünnen Isomatte in einem Zelt bei ca. 5 °C auch nicht ganz so erholsam war wie erhofft. Aber das Adrenalin in unserem Körper trieb uns immer weiter an. Mitternacht bekamen wir noch die letzten Instruktionen von unseren Guides Joseph und Paolo. Dann ging es los!
Es war stockduster – nur im Schein unserer Stirnlampen konnten wir ab und zu andere Bergsteiger ausmachen die sich ebenfalls auf den Weg zum Gipfel aufgemacht hatten. Unser Ziel war es den Gipfel zum Sonnenaufgang zu erreichen. Die Stunden vergingen, es war furchtbar kalt und unsere Kräfte ließen immer mehr nach. Immer ein Fuß vor den anderen. Wir sprachen kaum. Jeder war mit sich selbst beschäftigt und versuchte sich seine Kräfte so gut wie möglich einzuteilen. Nach ca. 5 Stunden über Felsen und losen Schotter und natürlich stets bergauf ging so langsam die Sonne auf – endlich wieder etwas Zeitgefühl. Wir waren nun schon über den Wolken und die Sonnenstrahlen verrieten uns, dass wir nun bald am Ziel sein müssten. Nach ungefähr 7 Stunden Aufstieg waren wir am Stella Point, auf 5.765 Metern angekommen. Wir waren fix und fertig. Der Aufstieg war schwerer als gedacht und wir waren am Ende unserer Kräfte. Aber Joseph, unser Guide, gönnte uns keine Zeit zum Verschnaufen. Er trieb uns eine weitere Stunde hinauf bis zum höchsten Punkt des Kilimanjaro, den Uhuru Peak auf 5.895 Metern. Endlich angekommen! Wir waren überwältigt, unendlich stolz – und total geschafft.
Daniel und ich standen also vor dem typischen Holzschild das den höchsten Punkt Afrikas markierte. Wir mussten uns beeilen, denn dieser bedeutende Punkt war bei allen Bergsteigern begehrt und unserer Gesundheit zuliebe durften wir uns nicht allzu lange in dieser Höhe aufhalten. Wir standen also allein vor diesem Holzschild und ich war gerade mit meine Selfie-Stick beschäftigt – schließlich wollte ich diesen Augenblick für die Ewigkeit festhalten. Dann ging Daniel in die Knie. Im ersten Moment dachte ich, dass ihn seine Kräfte verlassen hätten und er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Doch dann nahm er meine Hand und im nächsten Augenblick wurde mir klar, was er vor hatte. Daniel war grundsätzlich nicht der Typ für viele Worte, aber nach dem anstrengenden Trip und am Ende unserer Kräfte mussten 2-3 Sätze reichen. Er flüsterte mir ein paar liebe Worte zu und fragte dann, ob ich seine Frau werden will. Er zeigte mir kurz den Verlobungsring, den er schon tagelang vor mir versteckte. Ich war überglücklich und flüsterte nur ein kurzes „Ja“. Wir fielen uns in die Arme. Unsere Guides gratulierten uns und fingen an zu tanzen und zu singen. Wir hatten zur Belohnung für den Aufstieg auf den Gipfel einen kleinen Flachmann mit etwas Alkohol dabei, mit diesem stießen wir direkt am Uhuru-Peak auf die Verlobung an. Anschließend ging es recht schnell wieder nach unten ins Base Camp. Wir waren überglücklich und auch total geschafft. In unserem Zelt fragte ich meinen Frisch-Verlobten Daniel dann vorsichtig, ob ich vielleicht nochmal einen Blick auf den Ring werfen könnte. Er hatte ihn mir auf dem Gipfel zwar gezeigt, aber aufgrund der gefühlten -15 °C nicht angesteckt. Wir küssten uns und er dann steckte er mir den Ring zum ersten Mal an meinen Ringfinger. Jetzt waren wir also verlobt – was für ein Gefühl!